L CS-499

Es war einmal ...

... das Ende vom langen Anfang.

Auch so lernen wir fliegen

Wir entscheiden uns nicht,
zu sterben,
es geschieht an uns.
Vielleicht wäre es zu schwer,
uns würde der Mut fehlen.
Wir würden uns noch eine Stunde,
einen Tag, ein Jahr
von uns selbst erbetteln.

Und so wird uns genommen,
was wir nicht loslassen.
Schnell oder langsam
werden unsere Wurzeln gelöst
aus dem Sand, Felsen,
oder Sumpf, in dem sie standen.
Auch das ist eine Erlösung.
Von uns selbst.
Auch so lernen wir fliegen.

Ulrich Schaffer

2.3.06 13:40


GEO

Es war einmal ...

das berühmt berüchtigte X


„Okay Kleiner, wolln’ wir die Sache mal angehen. Setz dich.“
Die Beine überschlagen lungerte der junge Mann auf dem Sofa. Jack Stephens, der Kleine, verdrehte die Augen und ließ sich gleich gegenüber in einen der schwarzen Sessel fallen. Auf dem kleinen Holztisch zwischen ihnen lagerten Chipstüten, Cola Flaschen und eine Pizzapackung samt halb verzehrtem Inhalt. Irgendwo dazwischen ein paar Würfel, einige Karten und DvDs.
„Was für ein Saustall“, erlaubte Jack sich anzumerken. Arne zuckte nur mit den Schultern und schob beiläufig ein Glas vom Tischrand fort. Er trug einen grauen Anzug, das Jackett lag bereits zwischen Sofa und Tisch auf dem Boden. Vielleicht auch hinter dem Sofa, Jack konnte sich nicht daran erinnern wo Arne es hingeworfen hatte, nachdem sie seine Wohnung betreten hatten. Die Krawatte hing noch lose um den Hals des Amerikaners.
Suchend blickt Jack über den Tisch. Mindestens vier Gläser standen zwischen dem ganzen Zeug.
„Ist noch eins der Gläser sauber? Ich habe Durst.“ Er konnte das Nicken von Arne nicht sehen, doch die langfingrige Hand welche gleich darauf sein Blickfeld durchkreuzte und hinter einem Stapel CD’s ein Glas hervor holte war nicht zu übersehen. „Bitte sehr, der Herr. Unterm’ Tisch stehen noch Wasser und irgendwelche Säfte, glaube ich.“
Jack bückte sich, um einen Blick unter den Tisch zu werfen. Neben einer Hose und drei Stapeln Zeitungen standen dort verschiedene Flaschen. Entschlossen griff er nach dem Wasser und richtete sich wieder auf. Während er sich einschüttete sah er noch einmal zu Arne hinüber. Der hatte sich längs auf dem Sofa ausgestreckt und griff soeben nach einer angebrochenen Tafel Schokolade.
„Dann fang mal an.“, nahm Jack den Faden nach einer Pause wieder auf. Arne schob sich ein Stück Schokolade in den Mund, dann richtete er sich so ruckartig auf, dass Jack beinahe den Deckel der Wasserflasche fallen ließ. „Immer langsam…“
„Gut, dann fagn’ wir mal an.“, überging Arne seinen Einwand. Die Beine vom Sofa hinab geschwungen und die Unterarme darauf gestützt erinnerte er Jack nun eher an den seriösen Geschäftsmann, den er durch den Park hatte rennen sehen.
„Du weißt schon etwas über uns, richtig?“ Jack sah nicht auf als er die Frage hörte, sondern antwortete noch während er sich bückte um eine Flasche Orangensaft unter dem Tisch hervor zu ziehen. „Sicher, sonst wäre ich kaum so ruhig. Ich wüsste nur gerne wer du bist und wo du hingehörst. Ich habe dich hier noch nie gesehen.“
Arne grinste. So breit, dass Jack die regelmäßig geformten Zähne sehen konnte. „Mag daran liegen, dass ich neu bin. Bist du also abgestellt um den Wachhund zu spielen mh?“

(Teil I – „X“)
6.3.06 14:56


Schaf

Es war einmal ...

... eine denkwürdige Antwort.

Aussage:
"Ich liebe ihn und er mich. Egal was war."


Antwort:
"Das Herz ist ein dehnbarer Muskel."


11.3.06 17:23


Uhrzeit

Es war einmal ...

... die Weisheit in kleinen Worten.

Wer seine Wünsche zähmt, ist immer reich.

|Voltaire|

19.3.06 11:26


Orbit

Es war einmal ...

... die Sache mit X

Es hängt Nebel über den Dächern von Northern Country und die Nacht wird einzig und allein von den bunten Neonreklamen unbedeutender Bistros und Kneipen erleuchtet. Über den rissigen Asphalt der Merlot Street zieht sich ein Film aus Feuchtigkeit und Wasserlachen. An den Rändern einiger Pfützen glänzt noch ein wenig graues Eis, die Überbleibsel der letzten frostigen Tage. In der kleinen Seitenstraße ist es trotz der fortgeschrittenen Uhrzeit nicht annähernd so still, wie auf der Hauptstraße in welcher sie mündet. Sie ist allerdings auch nicht ansatzweise so leer.
Vor und neben den vielen Türen und verdunkelten Fenstern sammeln sich Menschentrauben aus aufgedonnerten Jugendlichen und längst ergrauter Pseudo-Jugend. Von ihnen geht ein schrilles Stimmengewirr aus, das sich ab und an mit lauter Musik vermischt, wenn eine der Türen aufgeht.
„Ren! Ren, warte doch verdammt noch mal!“, säuerlich stieß Ted zwei Jugendliche zur Seite, die just in diesem Augenblick seinen Weg kreuzten. Verhaltene Flüche folgten ihm, als der eine stolpernd gegen eine Gruppe Mädchen traf. Ted beachtete die Flüche ebenso wenig wie die beiden Halbstarken. Stattdessen hielt er seinen Blick fest auf den Rücken geheftet der zwischen zwei Menschentrauben zu verschwinden drohte.
„Jetzt bleib doch mal stehen!“ Innerlich fluchend wich er einer aufgedonnerten Dreizehnjährigen aus, die den Malkasten ihrer Mutter mit der Schminke verwechselt haben musste.
Ted Miranda, seines Zeichens offiziell Informatiker, derzeit tätig im Außendienst, hasste kaum einen Ort mehr als die Merlot Street mit ihren ganzen verlausten und vorpupertären Möchtegernpunkern. Zwischen ihnen fiel er sogar an seinen guten Tagen auf wie ein bunter Hund. Und bis vor etwa einer halben Stunde war es ein sehr guter Tag gewesen.
„Ren!“, nachdem er das Kunststück fertig gebracht hatte an einer Gruppe Soft-Hardrockern vorbei zu kommen ohne sich dumme Kommentare über sein Sakko und die Cargohosen einzufangen, griff er entschlossen nach dem Arm des Mannes. Doch noch ehe er dazu kam weiter zu sprechen, fuhr Ren herum und entriss ihm seinen Arm wieder. Ted wusste das Ren viel Sport trieb und jede Menge Kraft besaß, doch der Ruck bewies ihm wieder einmal, dass er den jüngeren Mann unterschätze. Stolpernd kam er zwei Schritte weiter zum stehen – gerade rechtzeitig um zu sehen wie Ren die Arme vor der muskulösen Brust verschränkte und ihn verbissen anstarrte. „Was willst du Ted? Mir auch einen Vortrag halten?“
Ted schnaufte unwillig, dann ließ er die Arme sinken und die Hände in den Hosentaschen verschwinden. Wenn er noch etwas so sehr hasste wie die Merlot Street, dann war es diese Art von eingeschnapptem Kinderspiel das Ren gerade trieb.
„Weshalb sollte ich? Es würde ohnehin auf taube Ohren stoßen.“, entgegnete er deshalb knapp und konnte nur mit einem raschen Griff nach der Schulter des Mannes verhindern das dieser sich sofort abwandte. „Jetzt lass mich doch erst einmal ausreden. Ich renn dir sicher nicht die ganze Straße lang nach, nur um dir dasselbe zu erzählen wie Jack. Klar?“
Widerwillig drehte Ren sich wieder herum. „Warum dann?“, erwiderte er knurrend und mit düster zusammen gezogenen Augenbrauen. Ted nahm die Hand wieder herab und erwiderte den missmutigen Blick mit einem aufgesetzten Grinsen. „Weil ich wissen will, warum du den Scheiß gebaut hast. Sybille behauptet zwar, dass du den Kerl rausgeschmissen hast, aber im Grunde war er jedem unsympathisch genug um ihm raus zu werfen.“
21.3.06 21:47


 [eine Seite weiter]

Gratis bloggen bei
myblog.de